Die Geschichte der Feuerwehr Bockhorn ist bis 1875 zurückzuverfolgen. Im Jahre 1873 wurde durch das Kgl. Bezirksamt Erding die Errichtung einer Pflichtfeuerwehr angeordnet. Zum Feuerlöschbezirk Bockhorn gehörten Grünbach, Salmannskirchen und Eschlbach, die zur gegenseitigen Hilfe verpflichtet waren. Herangezogen wurden alle männlichen Ortsbewohner zwischen dem 18. und 50. Lebensjahr. Die Mannschaften bestanden aus Steigern, Spritzenmännern und Ordnungsmännern. Steiger sollten junge und gewandte Leute sein, die den Schlauchführerdienst und das Aufstellen der Leitern zu versehen, sowie Menschen und Eigentum aus gefährlichen Lagen zu retten und die Einlegung gefährlicher Gebäudeteile vorzunehmen hatten.

Aufgabe der Spritzenmänner war es, die Spritzen zu bedienen, die Schläuche zu den Leitern zu legen und für die Wasserbeschaffung zu sorgen. Den Ordnungsmännern ,,ältere Männer, die zu anderen Diensten nicht mehr wohl verwendet werden können oblag das Ausräumen aus solchen Lokalen, die ohne Steigerrequisiten oder besondere Gefahr betreten werden können, die Bewachung aller geretteten Sachen, die Absperrung des Brandplatzes und die Aufrechterhaltung der Ordnung“. Jede der drei Abteilungen sollte sich einen Führer wählen; die Gesamtleitung hatte der Bürgermeister auszuüben.

Vierteljährlich war mindestens eine zweistündige Übung abzuhalten. Ein Verzeichnis aus dem Hauptstaatsarchiv München (LRA Erding) belegt, dass ab 1875 eine Pflichtfeuerwehr bestand.

Auszug aus dem vierseitigen Mitgliederverzeichnis der Pflichtfeuerwehr von 1875. (StAM LRA 37718)

 

Namen vom Kommandanten sind nicht bekannt. Aus dem Verzeichnis geht nur hervor, dass
Bartholomäus Jell aus Oberstrogn und Balthasar Seibold aus Bockhorn als Führer und
Spritzenmänner diese Aufgabe übernahmen.

Die damalige Fahne der Freiwilligen Feuerwehr Bockhorn (links) anlässlich des 50-jährigen Gründungsfest des Krieger- und Veteranenvereins Bockhorn am 18. Mai 1924

 

Über die weitere Geschichte der Feuerwehr Bockhorn gibt es leider keine Unterlagen. Überliefert ist nur, dass Georg Berther aus Bockhorn von 1919 – 1929 Kommandant war. 1929 wurde er von Jakob Scherer aus Oberstrogn als Kommandant abgelöst. Aus Erzählungen wissen wir, dass die Feuerwehrmänner am Sonntag nach dem Kirchgang zusammenkamen und einmal im Monat eine Übung abgehalten wurde. In Scherers Zeit als Kommandant fielen auch die Kriegsjahre, die Feuerwehren wurden von 1938 – 1945 per Reichsgesetz aufgelöst und waren während dieser Zeit Hilfspolizei unter staatlicher Aufsicht. Da die jungen Männer an der Front waren, mussten bei Einsätzen ältere Männer, Frauen und Mädchen Dienst leisten. Es ist bekannt, dass sogar bei Einsätzen in München Hilfe geleistet werden musste. Aufzeichnungen darüber existieren nicht, da die Einsätze der absoluten Geheimhaltung unterlagen. Jakob Scherer blieb bis 19.09.1949 Kommandant und wurde am 23.10.1949 bei einem großen Feuerwehrball zum Ehrenkommandant ernannt. Am 24.07.1954 verlieh ihm die Gemeinde Bockhorn sogar das Ehrenbürgerrecht.

Ehrenkommandant und Ehrenbürgerrecht für Jakob Scherer

Bei der Jahreshauptversammlung am 18.09.1949 wurde als neuer Kommandant Michael Huber aus Emling gewählt. Seit diesem Tag wird auch ein Protokollbuch über die Aktivitäten der Feuerwehr geführt. Am 11.10.1959 endete die 10-jährige Kommandantschaft des Michael Huber und Josef Kargl aus Oberstrogn wurde sein Nachfolger. Unter seiner Leitung fanden viele Übungen statt und es wurde das erste Leistungsabzeichen abgelegt. Josef Kargl übte dieses Amt bis zu seinem Rücktritt am 04.12.1974 aus. An diesem Tag wählte die Generalversammlung Anton Rutzmoser zum Kommandanten, ein Glücksgriff wie sich in den nachfolgenden Jahren herausstellen sollte. In seiner Amtszeit blühte die Bockhoner Feuerwehr förmlich auf. So wurde die Bockhorner Wehr z. B. mehrfach mit einem besseren Fahrzeug ausgestattet, regelmäßig Leistungsabzeichen abgelegt, eine Fahnenweihe durchgeführt und ein neues Gerätehaus errichtet. Die Zahl der Aktiven stieg ebenfalls stark an.

Nicht leicht was es für Josef Singldinger, der vorher bereits einige Jahre als zweiter Kommandant fungierte, die Nachfolge anzutreten, als Anton Rutzmoser am 17.04.1993
seinen Rücktritt bekannt gab. Doch seit seinem offiziellen Amtsantritt konnte er die Bockhorner Wehr auf dem Niveau seines Vorgängers halten. Die ersten Jahre stand ihm hier mit Hermann Baumgartner, ein hervorragender zweiter Kommandant, zur Seite. Beide waren sehr bemüht, die Jugendarbeit voranzutreiben und auch Frauen am Feuerwehrdienst zu beteiligen. Die Nachfolge Hermann Baumgartners als zweiter Kommandant übernahm Andreas Huber, welcher am 26.04.2003 zum ersten Kommandanten gewählt wurde. Zweiter Kommandant wurde Josef Czech. Beide leiteten 12 Jahre gemeinsam die Bockhorner Feuerwehr. Am 11.04.2015 endete die Amtszeit von Huber und Czech. Seitdem sind Thomas Lampl als erster und Marcell Garcia als zweiter Kommandant tätig. Im Jahr 2015 verfügte die Freiwillige Feuerwehr Bockhorn über insgesamt 166 Mitglieder. Davon sind 45 aktiv, darunter 2 Feuerwehranwärter und 6 Damen.

Feuerwehrgerätehaus

Im Jahre 1986 erkannte die Gemeinde, dass das vorhandene Gerätehaus, Baujahr 1957, den gestiegenen Raumanforderungen des Feuerwehrdienstes nicht mehr gerecht werden kann. Nachdem eine Erweiterung des bestehenden Gebäudes auf dem ursprünglichen Gelände nicht möglich war, suchte man 1987 nach einem geeigneten Grundstück. Der Grunderwerb neben dem Raiffeisengelände ging zügig voran, daher konnte noch im gleichen Jahr mit der Planung für den Neubau begonnen werden. Mit dem Beginn der Bautätigkeiten wurde am 26.4.1988 ein weiteres wichtiges Kapitel in der Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Bockhorn aufgeschlagen. Nach nur 11 Wochen intensiver Arbeit war der Rohbau fertiggestellt und am 15.7.1988 konnte die Hebweihfeier stattfinden. Bis zur feierlichen Einweihung am 17.6.1990 wurden auch die restlichen Gewerke fast ausschließlich in Eigenleistung erbracht. Die Feuerwehrler opferten insgesamt über 4500 unentgeltliche Arbeitsstunden und ersparten der Gemeinde damit einen Großteil der, für solch ein Gebäude, üblichen Kosten.

Der Anfang ist gemacht
Nach wenigen Wochen wird bereits die Decke betoniert
Der Rohbau steht
Auch die Aussenanlage macht viel Arbeit
Endlich fertig – Einweihung des neuen Gerätehauses am 17. Juni 90
 

Leistungsabzeichen

Bereits 1965 erkannten die damaligen Verantwortlichen um Kommandant Kargl, dass die steigenden Anforderungen an den Feuerwehrdienst nur durch intensives Üben in realitätsnahen Situationen gewährleistet werden kann. Aus diesem Antrieb heraus legten bereits 1965 zwei Gruppen der Bockhorner Feuerwehr das Leistungsabzeichen in Bronze ab.

Gruppe nach bestandenem Leistungsabzeichen 1965

 

Gruppe beim Saugschlauchkuppeln zur Leistungsprüfung am 14.06.1973

Nach 1973 fand sich leider keine Gruppe für Leistungsabzeichen zusammen. Erst nachdem die Fahnenweihe 1981 die Aktiven zusammengeschweißt hatte, fiel es wieder leicht, Mitwirkende zu finden. Zwei Gruppen bereiteten sich eine Woche lang intensiv auf die Prüfung vor, die am 28.05.1982 erfolgreich abgelegt wurde. Seit diesem Tag wurde diese Ausbildungsart konsequent weitergeführt, die meisten der damaligen Teilnehmer haben in der Zwischenzeit die oberste Stufe (Gold/rot) erreicht. In manchen Jahren standen zum Teil bis zu vier Gruppen zur Leistungsprüfung an.

Leistungsprüfung 1984 auf dem Kirchenparkplatz

Im Nachbarlandkreis Ebersberg wurde Anfang der 90er Jahre für den Bereich der technischen Hilfeleistung eine Leistungsprüfung entwickelt. Die FFW Bockhorn erhielt in dieser Zeit gerade ein neues Löschfahrzeug, das über Rettungsschere und Spreizer verfügte. Die Bockhorner Wehr sah diese noch inoffizielle Prüfung als geeignetes Mittel an, den Ausbildungsstand auf dem Gebiet THL entscheidend voranzutreiben.

Am 13.08.1993 absolvierte daher eine Gruppe aus Bockhorn als erste Feuerwehr im Gemeindebereich und als sechste im Landkreis die Leistungsprüfung zur „Technischen
Hilfeleistung“. Damit zählen die Bockhorner Floriansjünger zu den Vorreitern dieser Prüfungsart. Mittlerweile ist diese Prüfungsart voll anerkannt und es werden auch Abzeichen vergeben.

Prüfung zur technischen Hilfeleistung

Fahrzeuge

Stetig verbessert wurde die Ausrüstung der Feuerwehr. Früher hatte man nur eine Spritze, die von Hand betrieben werden musste. Mit dem Fortschritt der Technik wurde etwa 1925 eine Motorspritze angeschafft, die mit einem Einachsenanhänger ausgerüstet, von Pferden und später von einem Traktor zum Einsatzort gezogen werden konnte. Diese Motorspritze wurde 1970 durch ein neues, leistungsfähigeres Gerät ersetzt.

Stolz präsentierte sich die Bockhorner Wehr mit der ersten Motorspritze

 

Im Jahre 1957 errichtete die Gemeinde ein neues Feuerwehrgerätehaus und 1975 wurde ein Feuerwehrfahrzeug der Marke Borgward gekauft. Nach nur sieben Jahren bot sich die Gelegenheit, ein gebrauchtes Fahrzeug vom Typ LF 8 für 7.500 DM von der Freiwilligen Feuerwehr Langengeisling zu übernehmen. Der Opel Blitz entsprach nach einigen Umbauarbeiten den Erfordernissen und hatte den wesentlichen Vorteil, dass er über genormte Anschlüsse verfügte, die jederzeit mit dem Gerät anderer Wehren gekoppelt werden konnten.

Löschfahrzeug LF 8 (Opel Blitz) vor dem alten Gerätehaus

 

Lange Zeit wurden die vier Feuerwehren der Gemeinde Bockhorn mit betagteren Fahrzeugen ausgestattet. 1991 entschied sich der Gemeinderat jedoch, diese nach und
nach durch neue Fahrzeuge zu ersetzen. Nachdem einige unterschiedliche Fabrikate und Ausführungen (LF8/6, LF16/12) besichtigt und bewertet waren, einigten sich die
Verantwortlichen, dass für die Bedürfnisse im Gemeindebereich ein LF8/6 der Firma IVECO ausreichend ist.

Löschfahrzeug LF 8/6 (IVECO) vor dem neuen Gerätehaus

 

Nachdem der Zuschuss bewilligt war, wurde das Fahrzeug bestellt und konnte am 25.06.1992 beim Hersteller abgeholt werden. Die Einweihung des neuen Löschfahrzeuges durch Pfarrer Klis erfolgte am 20.09.1992. Nach monatelangen Um- und Ausbaumaßnahmen konnte im Frühjahr 2004 auch der neue
Mannschaftsbus in Betrieb genommen werden. Am Sonntag, den 18. April erfolgte die Einweihung des Fahrzeugs. Hierzu waren alle Feuerwehren aus dem Gemeindebereich eingeladen.

Mehrzweckfahrzeug (Fiat Ducato)

 

Im Jahr 2003 fand der DEKON-Anhänger seinen Platz in Bockhorn, da von der damaligen Kreisbrandinspektion Bockhorn als Mittelpunkt des Landkreises Erding ermittelt wurde. Der Anhänger ist ein „Landkreis-Fahrzeug“ und dient der Dekontamination von Einsatzkräften im gesamten Landkreis.

DEKON-Anhänger

 

Vereinsleben

Bis zum Jahr 1985 war das Vereinsleben mit dem aktiven Feuerwehrdienst eng verknüpft und beides in einer gemeinsamen Satzung geregelt. Doch nach dem Bayerischen
Feuerwehrgesetz war die bisherige Mustersatzung für freiwillige Feuerwehren nicht mehr auf das Vereinsleben anwendbar. In der Neufassung der Feuerwehrsatzung der Gemeinde war nur mehr der rein technische Teil der Feuerwehr beinhaltet. Die innere Organisation der Feuerwehrvereine war seither im Bayerischen Feuerwehrgesetz nicht mehr erfasst. Da aber in Bockhorn das Vereinsleben weiterhin fortgeführt werden sollte, war eine Vereinsgründung notwendig. In der eigens einberufenen Gründungsversammlung hob man daher am 19.07.1985 den eigenständigen Verein „Freiwillige Feuerwehr Bockhorn“ aus der Taufe. Zum ersten Vereinsvorstand wählte die Versammlung Johann Altmann. Den Vereinsbeitrag setzte man damals auf 6,- DM fest. Bereits am Ende des Gründungstages zählte der neue Verein 45 Mitglieder. Die Eintragung des Vereins ins Vereinsregister erfolgte im Jahr 2001.

Mit etwas Verspätung wurde das 100-jährige Gründungsfest gefeiert. Nachdem sich die alte Fahne in einem sehr schlechten Zustand befand, entschloss man sich trotz fast leerer Kasse zum Kauf einer neuen Fahne. Die hohen Kosten, so hoffte man, sollten durch Spenden und durch das geplante 4-tägige Fest vom 21. bis 24.05.1981 wieder hereinkommen. Um das Risiko in Grenzen zu halten, entschloss man sich für eine Feier in überschaubarem Rahmen. Trotz schlechter Witterung ging die Rechnung auf. Das Festprogramm startete am Donnerstag mit einer Raiffeisenversammlung, es bot am Freitag ein Tanzfestival und am Samstag einen Heimatabend. Zur Fahnenweihe am Sonntag, dem 24. Mai erschienen 35 Vereine aus der näheren Umgebung. Als Patenverein fungierte damals die Freiwillige Feuerwehr Kirchasch.

Patenbitten am 20. März 81 beim Wirt in Bockhorn
Weihe der neuen Fahne in der Pfarrkirche Bochkorn am 24. Mai 81

 

Festumzug durch den Ort

20 Jahre später, im Mai 2002 wurde wieder ein Jubiläum gefeiert, diesmal das 125-jährige Gründungsfest. Vom 07. bis 12.05.2002 veranstaltete die Freiwillige Feuerwehr Bockhorn ein buntes Programm im dafür aufgestellten Festzelt. Das Programm umfasste unter anderem die Gewinnsparauslosung der Raiffeisenbank, die Versammlung des Maschinenrings und die Auftritte der Gruppen „Radspitz Express“ und „Bayrisch-Diatonischer Jodelwahnsinn“. Mit dem Festsonntag am 12. Mai wurde die Festwoche feierlich abgeschlossen.

Drehleiter aus Strohballen2002

 

Gründungsfest 2002

 

Das 130-jährige Festjubiläum wurde im April 2006 in einer Halle gefeiert. An 2 Tagen gab es eine Discoparty und ein Weinfest.

Discoparty 2006

 

Auch bei örtlichen Veranstaltungen ist der Verein tätig. Jedes Jahr im Sommer wird das Bockhorner Dorffest von der Feuerwehr veranstaltet, die dazu auch ihr Gerätehaus zu Verfügung stellt. Alle 5 Jahre steht dann ein weiterer Höhepunkt im Terminkalender. Das Maibaumaufstellen, welches immer zusammen mit dem Stopselclub organisiert wird, zieht jedes Mal viele Besucher aus dem ganzen Landkreis nach Bockhorn.

Maibaumaufstellen im Jahr 2014

 

Vereinsführung

Johann Altmann gab 1998 nach 13 Jahren den Posten des ersten Vorstands an Thomas Huber ab. Seit 2006 führt nun Franz Herbst, der vorher schon als 2. Vorstand tätig war, den Verein. Und als 2. Vorstand ist Andreas Scharl seit 2006 im Amt.

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